Tag 10 – Die Camper: Individualisten, Perfektionisten, Traditionalisten & Snobisten

Ich laufe gerne über Campingplätze und schaue mir seine Bewohner und deren Ausstattung an. Ok: Zugegebener Maßen bin ich in dieser Sache etwas voyeuristisch veranlagt, aber ich muss ja schließlich Yara in den Schlaf schieben… Und so verbinde ich das Angenehme mit dem Notwendigen und laufe mit Yara des mittags oder abends über den Campingplatz und schaue mich mal ein bisschen um.

In der Tat ist der Campingplatz ein Mikrokosmos, auf dem alle denkbaren Charaktere anzutreffen sind.
Da gibt es die Individualisten, die mit einem Dachzelt auf ihrem Jeep campen und mit Leitern auf Ihr Fahrzeug klettern. Ich finde, dass mag in der Wüste gut aussehen, aber beim nächtlichen Gang zur Toilette ist es sicher eher unpraktisch. Andere sind mit ihren umgebauten 4×4 Trucks für eine Weltreise gerüstet, auf einem 5-Sterne-Campingplatz an der Cote d’Azur wirken diese aber eher überausgestattet.
Ein Großteil der Camper sind aber auf jeden Fall Traditionalisten:  In der Nachsaison fallen hier insbesondere die Heerscharen von rüstigen Rentnern auf, die schon seit Jahrzehnten auf „ihren“ Platz kommen, alle Nachbarn kennen und in einem sich immer wiederholendem Ritual ihren auf Hochglanz polierten Wohnwagen ausrichten, das Vorzelt aufbauen sowie kritisch auf die unerfahrenen Neulinge schauen und mit ungefragten Rat zur Seite stehen.
Amüsiert hat mich in den letzten Tagen aber auch die Snobisten, von denen mir 2 Prachtexemplare ins Auge gefallen sind. Der Eine kommt mit seinem 250.000€ Luxusbus auf den eh schon engen Platz manövriert. Er baut über 6 Stunden 2 weiße Partyzelte auf, in denen dann Loungemöbel und Außenküche in Szene gesetzt werden. Der Andere ist ein Alleinreisender und positioniert am Strand seinen nagelneuen Wohnwagen im Yachtstil. Auf der einen Seite des riesen Wohnwagens wird ein repräsentatives Vorzelt aufgebaut, auf der anderen Seite gibt es eine Sonnenmarkise, damit der zum Wohnwagen passende, weiße Audi schattig geparkt werden kann.
Natürlich fragt man sich dann irgendwann auch, was man selbst für ein Campingtyp ist bzw. mal werden wird. Sicherlich bin ich kein Purist mehr, der nur mit dem Zelt und der nötigsten Grundausstattung in den Urlaub fährt. Vermutlich aber ist unsere derzeitige Ausstattung aber auch schon nicht mehr geeignet, um flexibel und mobil zu reisen. Schlußendlich rechtfertigen es mit den Bedürfnissen unserer noch kleinen Kindern und hoffen, dass wir das Rad irgendwann wieder zurück gedreht bekommen.
Das liest sich jetzt vermutlich ziemlich abschreckend, ist aber ein wenig auch das Salz in der Campingsuppe.  Und manchmal ist ein Camper ja auch dankbar über etwas Unterhaltung an einem ansonsten eher unspektakulären Urlaubstag…
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