Stellt euch vor, ihr habt alles gepackt, das Wohnmobil ist startklar und die Vorfreude auf ein entspanntes Wochenende an der Mosel riesig. Und dann klingelt einen Tag vor der Abreise das Telefon: Evakuierung! Was wie der Beginn eines Katastrophenfilms klingt, war unser Einstieg in den Besuch des Campingplatzes Holländischer Hof in Senheim.
Warum wir uns diesen Ort ausgesucht hatten? Ganz einfach: Die Lage auf einer Halbinsel direkt am Wasser klang nach der perfekten Mosel-Romantik. Zudem ist Senheim der ideale Ausgangspunkt, um die Region rund um Cochem zu erkunden, ohne im absoluten Touristenrummel zu stehen. Dass Mutter Natur uns einen Strich durch die Rechnung machen wollte, hat uns letztlich eine ganz andere, aber sehr authentische Erfahrung beschert.
Lage und Umgebung: Ein Logenplatz mit Tücken
Der Holländische Hof liegt geografisch gesehen spektakulär auf einer weit in die Mosel ragenden Halbinsel am Rande des Weindorfs Senheim. Die Erreichbarkeit ist über die gut ausgebaute Moselweinstraße völlig unproblematisch. Wer hier campt, ist quasi auf drei Seiten von Wasser umgeben – ein Traum für jeden, der morgens mit dem Blick auf vorbeiziehende Schiffe aufwachen möchte.
Allerdings zeigt die Region hier zwei Gesichter: Während der Ort Senheim selbst durch eine Hanglage, den Hafen und einen massiven Damm geschützt ist, liegt der Campingplatz quasi schutzlos im Flussbett. In der Nähe befindet sich das touristische Highlight Cochem (ca. 15 km entfernt), was den Platz strategisch wertvoll macht. Aber man muss sich bewusst sein: Wenn die Mosel steigt, ist man hier als Erster „nasse Füße“ gewohnt.
Unser persönlicher Eindruck: Flexibilität ist alles
Unser geplanter Aufenthalt auf dem Campingplatz selbst fiel sprichwörtlich ins Wasser. Einen Tag vor Anreise erhielten wir den Anruf der Betreiber: Der Platz musste hochwasserbedingt komplett evakuiert werden. Wir waren ehrlich gesagt erstaunt über diesen proaktiven Service. In einer Phase, in der das Team vor Ort sicherlich alle Hände voll zu tun hatte, um Equipment und Gäste in Sicherheit zu bringen, noch jeden Anreisenden einzeln zu informieren, verdient Respekt.
Da wir jedoch im Ort Senheim zusätzlich ein Hotelzimmer fest gebucht hatten, entschieden wir uns zur Anreise. Nach Rücksprache mit unserer Vermieterin, die uns die gefahrlose Zufahrt zum Ort bestätigte, erlebten wir Senheim von einer sehr solidarischen Seite. Statt auf dem Campingplatz landeten wir auf dem Marktplatz von Senheim.
Das Alleinstellungsmerkmal unserer Reise war somit die unfreiwillige, aber spannende Ausweichmöglichkeit. An diesem speziellen Wochenende herrschte eine große Toleranz gegenüber Campern auf dem Marktplatz, was sicherlich auch dem gleichzeitig stattfindenden Winzerfest geschuldet war. Wer hier steht, muss allerdings „Lärm-resistent“ sein: Bis Mitternacht dröhnte die Musik des Festes durch das Dorf. Wir haben die Flucht nach vorn angetreten, einfach mitgefeiert und die tolle Stimmung genossen.
Ausstattung: Was der Holländische Hof normalerweise bietet
Auch wenn wir dieses Mal nicht auf dem Gelände stehen konnten, haben wir uns die Ausstattung im Vorfeld und bei der Besichtigung der Region genau angeschaut. Der Platz ist ein echtes Paradies für aktive Familien und Wassersportler:
- Yachthafen: Direkt am Platz angeschlossen, was den „Holländischen Hof“ zu einer Top-Adresse für Bootsbesitzer macht.
- Stellplätze: Es gibt großzügige Parzellen für Wohnmobile, Wohnwagen und Zelte – viele davon mit direktem Blick auf die Mosel.
- Sanitäranlagen: Die Anlagen sind modern und waren bei unserer Sichtung in einem sehr sauberen Zustand.
- Freizeit: Für Kinder gibt es Spielplätze und für die geselligen Stunden stehen Grillplätze zur Verfügung.
- WLAN: Ist auf dem Gelände verfügbar, was in der Mosel-Region (aufgrund der Hanglagen) nicht immer selbstverständlich ist.
Ausflüge und Aktivitäten: Wandern, Wein und Weltklasse-Aussichten
Senheim ist ein fantastischer „Basecamp“ für Entdecker. Hier sind unsere persönlichen Highlights aus der direkten Umgebung:
- Beilstein – Das Dornröschen der Mosel (ca. 5 km): Ein absolutes Muss! Der Ort mit seinen Fachwerkhäusern und engen Gassen wirkt wie aus der Zeit gefallen. Die Klostertreppe zur Karmeliterkirche St. Josef ist ein tolles Fotomotiv.
- Burg Metternich: Die Ruine thront über Beilstein. Der Aufstieg wird mit einem beeindruckenden Panoramablick über die Moselschleife belohnt.
- Hängeseilbrücke Geierlay (ca. 18 km): Für Schwindelfreie ist diese Brücke im Hunsrück ein echtes Abenteuer. Sie gehört zu den längsten Hängeseilbrücken Europas.
- Calmont Klettersteig (ca. 12 km): Wer es sportlich mag, wandert durch den steilsten Weinberg Europas. Die Aussicht vom Gipfelkreuz auf die Moselschleife bei Bremm ist Weltklasse.
- Weingenuss in Senheim: Wir haben im Weingut Deis vorzüglich gegessen. Die Winzerkost war authentisch und der Wein so gut, dass direkt ein paar Flaschen als Souvenir mit ins Wohnmobil wanderten.
Preis für eine Familie
Die Preisgestaltung am Holländischen Hof ist etwas differenziert zu betrachten. Während die Übernachtungspreise fair wirken, gibt es einen Kritikpunkt bei den Nebenkosten.
- Stellplatz S: Für eine Person im Wohnmobil liegt der Preis bei etwa 18,00 €, was absolut in Ordnung ist.
- Reservierungsgebühr: Hier schlägt der Platz mit 16,00 € zu Buche. Das empfanden wir im Verhältnis zum Übernachtungspreis als nicht angemessen und zu hoch gegriffen.
Für eine Familie (2 Erwachsene, 2 Kinder) sollte man in der Hauptsaison inklusive Strom mit etwa 40,00 bis 50,00 € rechnen, wobei die hohen Buchungsgebühren den Gesamteindruck etwas trüben.
Was uns gefallen hat
- Die hervorragende Kommunikation und Information durch die Betreiber bei drohendem Hochwasser.
- Die idyllische Lage auf der Halbinsel (wenn das Wetter mitspielt).
- Die kulinarische Vielfalt im Ort Senheim (besonders das Weingut Deis).
- Die Toleranz der Gemeinde in Ausnahmesituationen wie dem Hochwasser-Wochenende.
Was uns weniger gefallen hat
- Die hohen Reservierungsgebühren (16 €), die in keinem guten Verhältnis zum Übernachtungspreis stehen.
- Das hohe Hochwasserrisiko aufgrund der ungeschützten Lage der Halbinsel.
- Die Lärmentwicklung im Ort während großer Feste (nichts für Ruhesuchende an Winzerfest-Wochenenden).
Unser Fazit: Ein Platz mit Herz und Mosel-Panorama
Würden wir wiederkommen? Ja, aber mit einem genauen Blick auf die Pegelstände! Der Campingplatz Holländischer Hof ist ein toller, gepflegter Ort für Familien und Wassersportler. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Stellplätze stimmt, auch wenn die Reservierungsgebühr sauer aufstößt.
Besonders geeignet ist der Platz für Menschen, die eine aktive Region suchen, aber abends gerne in einem beschaulichen Weindorf einkehren möchten. Senheim hat uns durch seine Gastfreundschaft und das unkomplizierte Miteinander während des Hochwassers absolut überzeugt. Wer Mosel-Romantik pur sucht, ist hier genau richtig – solange die Mosel in ihrem Bett bleibt.
Praktische Informationen
- Name: Campingplatz Holländischer Hof
- Adresse: Am Campingplatz 1, 56839 Senheim
- Website: www.hollaendischer-hof.de
- Preis: Stellplatz S ab ca. 18 € (Stand unseres Besuchs) zzgl. Gebühren.
- Anreise: Über die B49 (Moselweinstraße), im Ort Senheim ausgeschildert.